Ach, das waren noch Zeiten, damals im Rockpalast…
Ich erinnere mich als wäre es erst drei Jahre her. Dabei sind es bestimmt schon vier. Unser Abend begann vermutlich wie jeder andere verdammte Abend auch. Zunächst schauten wir einen Film den wir weniger als 10x gesehen hatten und dann, auf Wunsch des Gonzosophen, den „Anfang“ von „fear and loathing in Las Vegas“. Den haben wir mit Sicherheit auch noch zu Ende geguckt. Dann setzte ich mich mit den beiden besoffenen Kollegen ins Auto und brauste nach Meppen, zum Rockpalast.

Was nun geschah, ist mir nur noch sehr nebulös in Erinnerung. Und das trotz 100%iger Nüchternheit.

Ora ging gerade zu einem fetzigen Rockstück ab, während ich das Geschehen aus dem Augenwinkel von der Pyramide aus beobachtete. Unvermittelt kippte Ora wie ein Baum nach vorne, was zwar lustig anzuschauen, jetzt aber auch nicht so was Besonderes war, da auf der rutschigen Tanzfläche dauernd Leute hinfallen. Natürlich amüsierten wir uns, aber als er nach gefühlten 20 Sekunden nicht wieder aufstand, eilten wir ihm zur Hilfe. Zufällig war ein (stark alkoholisierter) Sani in der Nähe, welcher uns behilflich dabei war seine Wunden zu versorgen. Bei dem Sturz (bedingt durch Bier in Ora und an Ora) zersprang seine Bierflasche und die Scherben bohrten sich in seinen Unterarm. Am Waschbecken des Männerklos wuschen wir seine Wunden aus und entfernten mögliche Scherben. Das ganze versiegelten wir mit einem Pressverband, den uns George zur Verfügung stellte. Alles in allem eine unglaubliche Sauerei. Der Weg von der Tanzfläche zur Theke und von dort zum Klo war blutverschmiert und darum gut nachzuvollziehen. Passte aber gut ins Ambiente.

Als nächstes wuchteten wir seinen noch halbwegs beweglichen Kadaver in meinen Wagen und ich brachte ihn nach Hause. Ich war zwar der Meinung, das er ins Krankenhaus gemusst hätte, aber er war strikt dagegen. Bedenke: Der Betrunkene hat immer recht! Hatte eh alles keinen Zweck mehr an diesem Abend.

Der Gonzosoph hielt im Palais die Stellung. Als ich dort wieder eintraf musste ich zunächst am Türsteher vorbei. Leider war der Weg durch einen, wie sollte es anders sein, stark verstrahlten Bauern versperrt. Nachdem er am Türsteher vorbei war, schob ich mich mit durch und begab mich auf den Weg zum Klo. Dort wollte der Bauer anscheinend auch hin. Wir beide trafen gleichzeitig ein und uns bot sich ein interessanter Anblick. Der Gonzosoph stand dort neben einem kleinen Hügel aus blutverschmierten Papiertüchern und wischte konzentriert das restliche Blut im Waschbecken weg. Der Bauer und ich standen sprachlos vor der Szene. Ich schmunzelte. Der Gonzosoph flötete während seiner Tätigkeit ein Lied und sah dann in gefühlter Zeitlupe zu uns auf. Das war wohl zuviel für den Bauern, der daraufhin seinen Harndrang und seinen gerade gezahlten Eintritt vergaß, um blitzartig den Laden zu verlassen.

Ora ging es am nächsten Tag gut, bis auf einen Kater und seiner Wunde hatte er keine Schäden davongetragen. Ach, das waren noch Zeiten, damals im Rockpalast…


Ps: Es handelt sich um meine rekonstruierten Erinnerungen. Die Beteiligten dürften wohl alle eine andere Geschichte zu erzählen haben. Die Geschichte entstand auf Anregung von Ora, ich bin gespannt auf seine Version.

Kommentieren



 
HEHEHEHE passende Geschichte zum Bild unten.

Und ich bin auch auf die Version des Ora gespannt, besonders, weil die bestimmt nicht so lang wird, wegen des partiellen Gedächtnisverlustes....;-)

... link  


... comment
 
meine Version sah in etwa so aus, nur blutiger:

... link  


... comment
 
Wunderbar.

Meine Version ist hier.

... link  


... comment